Dienstag, 29. Dezember 2009

Fiiiiiiiiiiijjjjjjjjjjjiiiiiiiiii!!!!!!!

Bula!

...wie man auf Fiji immer und überall freundlich begrüßt wird, bevor der Stammeshäuptling seine Keule auspackt, einem über den Schädel zieht und man als kleiner Nachmittagsimbiss verspeist wird.
Der Kannibalismus ist mittlerweile Geschichte, die Freundlichkeit der Inselbevölkerung aber geblieben. Tuckert man mit dem Boot zu einer Insel, wird man von einem singenden Empfangskomittee begrüßt und...

Moment, Moment! Der Blog heißt doch Down Under, Australien? Was hat Fiji damit zu tun?

Also, nochmal gaaanz von vorne: Als Gott Adam und Eva aus dem Paradies vertrieben hatte, musste er das Paradies irgendwo verstecken - sonst wären Adam und Eva ja sofort wieder zurück gekommen. Also hat er lauter kleine paradiesische Inseln  mit Palmen, strahlender Sonne, türkisfarbenem Wasser und schneeweißem Sand geschaffen und sie mitten in den Ozeanen dieser Welt platziert, Hauptsache weit, weit weg von uns (gehen wir der Geschichte willen von einem germanozentrischen Weltbild aus). Und tatsächlich - Adam hat mit seiner Nussschale, falls er denn überhaupt ein Boot besessen hat, keine der Inseln je gefunden...

Fiji, die Malediven, Hawaii, die Cook Inseln, die Bahamas, Tahiti, Mauritius und Konsorten sind heute zwar jedem ein Begriff, aber als Europäer doch oft in unerreichbarer Ferne. Wo genau diese Inseln liegen, weiß kaum jemand, da sie sowieso zu weit weg sind, um im Urlaub kurz hinfliegen zu können.

Auch wir hatten anfangs nicht den leisesten Schimmer, wo Fiji liegt - im Atlantik? Im indischen Ozean? In der Karibik? Vor Afrika oder doch bei Brasilien? Zufälligerweise liegt Fiji zwar mitten im Südpazifik, aber doch zufälligerweise einigermaßen in der Nähe von Australien. Zufälligerweise gab es auch günstige Flüge und so war unser elftägiger Weihnachtsurlaub schnell gebucht. Diese Gelegenheit konnten wir uns schließlich nicht entgehen lassen - wer weiß, ob man nochmal an dieses Ende der Welt kommt?



Bei näherer Betrachtung stellte sich heraus, dass Fiji eigentlich eine aus über 300 winzigen Insteln bestehende Inselgruppe ist. Daher beschlossen Sina und ich "Island Hopping" zu gehen, also von einer Insel zur nächsten hüpfend Fiji kennen zu lernen.



Der erste Hüpfer von Sydney aus brachte uns zum internationalen Flughafen nach Nadi. Da der Transfer zur ersten Insel erst am nächsten Morgen anstand, verbrachten wir eine Nacht in Smuggler's Cove, einem kleinen Hotel am Strand (Blick von unserem Zimmerfenster).

Kaum angekommen, begannen wir mit dem, was in den nächsten Tagen unsere Lieblingsbeschäftigung am Strand werden sollte - Muscheln sammeln.



Des Nachts zeigten uns fijianische Feuertänzer ihre Künste...



...und auch der Sonnenuntergang war ganz passabel. Alles nicht schlecht...



...aber richtiger Inselflair kam dabei nicht auf und so konnten wir es kaum erwarten, endlich auf unsere erste "richtige" Insel zu kommen:


Robinson Crusoe Island!





Der namensgebende Robinson war zwar wohl nie selbst auf Robinson Crusoe Island,  etwas Survivalcharakter hatte die Insel aber dennoch. Da etwa eine Woche vor unserer Ankunft der Zyklon Mick über Fiji hinweggewütet ist, gab es noch kein fließendes Wasser und wir durften uns mit einer abenteuerlichen Eimerdusche waschen.
Eimer mit Wasser aus Kanistern füllen, Duscheimer herunterlassen, Wasser umfüllen, Duscheimer hochziehen, den am Duscheimer angeschweißten Hahn öffnen und erfrischende Dusche genießen. Erstaunlicherweise hat das Ganze aber sogar Sina Spaß gemacht... ;)
Auch die Hütten waren eher spartanisch, aber doch sehr schön in traditionellem Baustil.

Die Insel selbst war überaus abwechslungsreich. Neben einer kleinen Siedlung unter Palmen gab es eine Mangrove, eine Sukkulentensteppe und viel Urwald zu entdecken. Und einen kurzen Bootsausflug entfernt mein allererstes Korallenriff!
Auch wenn die meisten Korallen alles andere als lebendig waren, war mein erster Schnorcheltrip ob der unzähligen bunten Fische, blauen Seesterne, Seegurken, Weihnachtsbaumwürmer und vielem mehr doch sehr beeindruckend. Vor allem, wenn man eine Biologin dabei hat, die jeden Fisch und Wurm auch noch bestimmen kann... Neben Schnorcheln und Schwimmen konnte man das Meer auch im Kajak erforschen - damit war unser Soll an Action aber auch erfüllt.

Die restliche Zeit verbrachten wir mit ausgiebigem Lesen, Schlafen, in der Hängematte Chillen und viel, viel Essen. Dieses gab es unter anderem aus dem traditionellen Steinofen, Lovo genannt.




Des Abends wurden wir mit einer rituellen Kava-Zeremonie in den Kreis der Insulaner aufgenommen. Kava wird aus den getrockneten Wurzeln einer Pflanze gewonnen und hat eine narkotisierende Wirkung. Der Legende nach wurde es früher nur von Jungfrauen gekaut, in die Kava-Schüssel gespuckt und daraufhin vom Stammeshäuptling getrunken. Aus Mangel an Jungfrauen wird die Wurzel heutzutage jedoch gemahlen, in Wasser aufgelöst und dann reihum mit einer Kokusnussschale an die Anwesenden verteilt.
Das Ritual an sich war beeindruckend, die Begeisterung vieler unserer Mitreisender mit der Droge allerdings weniger - das Zeug schmeckte wie Erde und was daran so toll sein soll, wenn die Zunge beim Trinken taub wird, erschloss sich uns auch nicht ganz...

Beim Kava-Trinken kursierten später Gerüchte, dass es auf der Insel hochgiftige Seeschlangen gibt. Wir wollten die Berichte schon als Märchenerzählerei ad acta legen, als sich hinter uns ein schönes Exemplar am Strand entlang schlängelte. Als sich wenig später eine weitere Seeschlange mitten unter uns auf der Insel verirrt hatte, beförderte unser britannischer Tauchlehrer diese kurzerhand und in aller Seelenruhe wieder zurück ins Meer.
Anscheinend ist der Kopf der Schlange einfach zu klein, um gebissen zu werden... Zumindest meistens. Na dann sind wir ja beruhigt!

Nervenaufreibende Spannung kam beim "internationalen Einsiedler Wettrennen" auf, bei dem eine Horde Einsiedler verbissen um den Sieg kämpften. Wozu Pferderennen, wenn es Einsiedler gibt? Auf Pferde brauche ich jedenfalls nicht zu wetten, wenn ich schon den falschen Einsiedler erwischt habe...

Obwohl alle Fijianer zu uns durchweg freundlich waren, war die Atmosphäre auf Robinson Crusoe Island doch mit Abstand am besten - am Ende kannten uns alle mit Namen und man hatte fast das Gefühl, Teil der Inselbevölkerung zu sein.



Nach zwei Tagen verabschiedeten wir uns aber schon wieder von der Insel und tukkerten mit dem Boot zurück zur Hauptinsel. Unser nächster Stopp sollte eine kleine, abgelegene Bucht an der Coral Coast, der südlichen Küste der Hauptinsel sein.


Welcome to Mango Bay!





Die südliche Küste hatte die volle Wucht des Zyklons zu spüren bekommen und die ehemals übergrüne Vegetation und die vielen Blumen in eine braune Astlandschaft mit lauter zerzausten oder gar abgebrochenen Palmen verwandelt. Im Zuge der Zerstörung wurde auch unsere Unterkunft dem Erdboden gleichgemacht, sodass wir - leeeeeeider - auf die Luxushütte mit Outdoordusche hochgestuft wurden.
Outdoordusche mag zunächst wenig komfortabel klingen, aber das kleine Duschareal mit eigenem Dschungel und abendlicher Beleuchtung war tatsächlich total schön. Und da es in Fiji sowieso ganzjährig warm ist, muss man unter der Dursche auch nie frieren.


Obwohl wir in unserem gesamten Urlaub sehr gut gespeist hatten, stach Mango Bay in dieser Hinsicht heraus - das à la Carte Menü war exquisit. Hier erwartete uns das Beste aus der Küche Fijis, allen voran  die Gerichte des Tages mit fangfrischem Fisch. Aufgrund des hohen Bevölkerungsanteils an Indern gibt es in Fiji außerdem ausgezeichnete Curries.
Am besten aber war die frische Ananas, die uns an den morgendlichen Buffets - auch in den anderen Resorts - erwartete. Unvergleichlich, nur noch getoppt durch die frischen Kokosnüsse, die überall in Hülle und Fülle vorhanden waren. Sina beim fröhlichen Mampfen...



...aber wie kommt die Kokosnuss eigentlich von der Palme zu Sina? Dafür gab es kleine fijianische Kinder, die die riesigen Kokospalmen hochkletterten, oben einhändig auf der schwankenden Palme standen und mit der Machete die Nüsse runterschlugen.





Das Schnorcheln in Mango Bay stellte sich ebenfalls als sehr interessant heraus. Nachdem Sina lieber am Strand faulenzen wollte, schnappte ich mir Taucherbrille und Flossen und ging alleine auf Tour. Ein Fijianer erklärte mir dann, wohin ich schwimmen müsse, um die besten Korallen zu sehen ("Einfach Richtung Boje schwimmen!"). Mit dieser wertvollen Anleitung im Gepäck machte ich mich also auf den Weg...

Eine halbe Stunde später hatte ich die Boje noch immer nicht entdeckt und anscheinend total die Richtung verloren. Vom Meer aus wirkte es immer so, wie wenn ich schnurgerade hinausgeschwommen wäre, zumal ich so weit draußen war, dass die Menschen am Strand allenfalls als kleine Punkte zu erkennen waren. Das Wasser über dem Riffdach wurde immer seichter und seichter bis ich irgendwann schlichtweg keinen Platz mehr zum Schwimmen hatte. Langsam setzte sich die Erkenntnis durch: Hier bin ich falsch. Also änderte ich meine Richtung und schwamm etwas nach rechts, wo das Wasser nach kurzer Zeit auch prompt tiefer wurde...

[Blick nach unten] Koralle... Koralle... Koralle... Koralle...
[kurzer Blick nach vorne, erster Gedanke] Wow geeeeeeeeil, ein Hai!!
[zweiter Gedanke] Wow fuuuuuuuuuuuuuuuuuck, ein Hai!!!!!!!
Während ich erstarrte und beobachtete, wie der zweieinhalb Meter* langer Riffhai bis auf drei, vier Meter auf mich zuschwamm und mich dann zu umkreisen begann, wurde mir schlagartig bewusst, dass ich eine halbe Stunde vom Ufer entfernt ganz allein mitten im Ozean hilflos vor mich hinpaddelte und es noch nichtmal jemand sehen würde, wenn ich in Stücke gerissen würde. Aaaaaaaaaahhh!


Schwarzspitzen-Riffhai. Bild natürlich nicht von mir...

Dann beschloss der Hai aber wohl doch, dass ich für einen kleinen Mittagsimbiss zu kalorienhaltig sei und zog seiner Wege. Und ich? So schnell war ich noch nie wieder am Strand...

Abgesehen von großen, grimmigen Meeresbewohnern waren die Tiere in Mangobay aber sehr friedlich. Hilflose Vogelbabys, niedliche Welpen und dieser kleine Gecko ließen alle Frauenherzen höher schlagen.



Sehr beeindruckend war der apokalyptische Sonnenuntergang in Mangobay - surreal.





Nach zwei weiteren gechillten Tagen ging es aber schon wieder weiter, zunächst mit dem Bus an andere Ende der Hauptinsel zum Hafen von Port Denarau. Der Blick aus dem Fenster zeigte uns ein etwas anderes Gesicht Fijis. Die Bevölkerung der Hauptinsel Viti Levu schien in einer anderen Zeit zu leben - einfachste Hütten, kein Strom und kein fließend Wasser. Die Viehzucht schien keinem Prinzip zu folgen; mitten in der Pampa sah man einfach hier und da mal eine Kuh oder ein Pferd grasen - unangebunden, ohne Zaun, scheinbar ohne irgendwo dazuzugehören (wie die  im Zuckerrohrfeld stehende braune Kuh im untersten Bild). Die überall anzutreffenden Zuckerrohrfelder könnte man auch absichtlich nicht noch irregulärer und wirrer anordnen. Und Taxis, die auf Anhieb anspringen, nicht demoliert sind und Fahrer mit vertrauenserweckendem Fahrstil sind eher die Ausnahme...







In Port Denarau tauschten wir den festen Boden gegen die schwankenden Planken eines Katamarans ein, der uns zu unserer nächsten Insel bringen sollte:


Beachcomber Island in der Mamanuca Inselgruppe!





Die ersten paar Inseln dieser Inselgruppe sind allesamt wie aus dem Bilderbuch - kleine, runde Flecken Sand mit Palmen mitten im türkisfarbenen Ozean.** Auch die Insel, auf der Tom Hanks in Castaway rumturnen durfte, ist Teil dieser Inselgruppe.



Beachcomber Island ist einer dieser winziger, runder Flecken im blauen Ozean - und unsere Location für Weihnachten.

Trotz der atemberaubenden Kulisse beschleicht einen das Gefühl, dass man im falschen Film sitzt. Flirrende Hitze, Sand unter den Füßen und Kokusnüsse über dem Kopf - kann das Weihnachten sein?
Als die von der Heimat gewohnte besinnliche Atmosphäre später am Heilig Abend gegen Biersaufwettbewerbe Mallorcastyle austgetauscht wurde, kehrten Sina und ich dem Ganzen den Rücken und beschlossen, in Ruhe unsere eigene Bescherung zu machen. Um unsere Großeltern stolz zu machen lasen wir sogar die Weihnachtsgeschichte - aber wie Weihnachten hat es sich trotzdem nicht wirklich angefühlt.

Der erste Weihnachtstag war zwar ebensowenig von klassischem Weihnachtsflair geprägt, aber dennoch sehr schön. Jeder Fijianer bestand darauf, einem persönlich die Hand zu schütteln und frohe Weihnachten zu wünschen und als Weihnachtsschmaus gab es ein Spanferkel aus dem Lovo.

Und ansonsten? Vieeeeeeel lesen und chillen am Strand...



...und natürlich wieder Schnorcheln. Besonders cool waren die Schwärme kleiner schwarzweißgestreifter Fische, die so dicht um einen herumschwammen, dass ich Sina nicht mehr sehen konnte, obwohl sie auf Armeslänge neben mir im Wasser war.

Wie erwartet verabschiedete sich Beachcomber Island mit einem angemessen beeindruckenden Sonnenuntergang von uns...



...und wieder ging es an Bord des Katamarans, der uns zum fünften und letzten Stopp unseres Island Hopping Trips brachte:


Mantaray Island in den Yasawa Islands!





Die Inselgruppe der Yasawas gibt ein gänzlich anderes Bild wie die Mamanucas. Statt kleiner flacher Sand- und Palmenfleckchen bieten die Yasawas steilaufragende Klippen, zwischen denen malerische Sandstrände eingebettet sind.



Im Gegensatz zu kleinen Inseln wie Beachcomber, die man in zehn Minuten umrundet hat, bieten die Yasawas die Möglichkeit zu ausgedehnten Endeckungstouren über die Insel. Abseits vom Resort lassen sich wunderschöne und völlig unberührte Sandstrände entdecken...





...manche von uns zogen es jedoch vor, faul in der Hängematte rumzugammlen - wenn das denn so einfach wäre... ;)



Viel Zeit zum Chillen und Endecken blieb uns aber sowieso nicht, denn in Mantaray gibt es Fijis schönstes Korallenriff - direkt vor der Haustüre. Durch eine angenehme Querströmung musste man noch nicht einmal schwimmen, sondern konnte sich ohne einen Finger zu rühren gemächlich über die schönsten Unterwasserlandschaften, die buntesten Fische, Korallen, Anemonen, Seesterne und dergleichen treiben lassen. Keine Frage, ich war den ganzen Tag am Schnorcheln, bis mir das Wasser wieder aus den Ohren herauskam.

Höhepunkt war dann der langersehnte Ausruf der fijianischen Bootsfahrer: "Mantas gesichtet". Die Mantas sind normalerweise nur im fijianischen Winter auf Fiji anzutreffen, aber pünktlich zu Weihnachten verirrten  sich ein paar Exemplare nach Mantaray Island.
In einem kleinen Boot umrundeten wir die Spitze der Insel und wurden in der starken Strömung ausgesetzt. Und in der Strömung schwammen die sanften Riesen...


Dieses Mantabild stammt natürlich nicht von mir...

Wahnsinnig beeindruckend, wenn man hinabtaucht und so nahe über einem riesigen Manta schwimmt, dass man nur die Hand ausstrecken müsste, um ihn zu berühren. Ein perfekter Abschluss unseres Urlaubs!

Einen unrühmlichen Abschluss nahm der Tag dann aber doch noch - ein Gecko brach einen Streit über mein Bier vom Zaun. Schlussendlich konnte ich ihn aber doch friedlich zum Gehen überzeugen...



Ein kleiner Besuch im Paradies - ich persönlich fand vor allem die Vielfalt beeindruckend, die man beim Islandhopping zu sehen bekommt. Bei elf Tagen am selben Strand würde ich spätestens nach einer Woche an Langeweile sterben - aber alle zwei Tage neue, wunderschöne Strände, besondere Tiere und interessante Leute kennen zu lernen lässt gar keine Zeit für Langeweile. Nur an Weihnachten ziehe ich es doch vor in der Heimat zu frieren...

Merry Christmas!!



P.S.Warum steht hier eigentlich dauernd was von "Fiji"? Heißt das nicht "Fidschi"?
Ja. Eigentlich. Aber "Fidschi" ist einfach ein hässliches Wort; wie wenn man mit Gewalt versuchen würde, den ausgesprochenen Namen der Insel einzudeutschen. Im Namen der sprachlichen Ästhetik weigere ich mich, an dieser Vergewaltigung teilzunehmen... ;)

*Landrattenmeter. Unter Wasser wirkt alles etwa ein drittel größer, d.h. der Hai war vermutlich eher zwischen 1,5 und 2 m lang. Aber glaubt mir, wer sich das erste Mal mitten im Ozean alleine einem Hai gegenüber wieder findet, hat besseres zu tun als derartige Gedanken anzustellen.  Der eine oder andere Schlaumeier könnte auch einwenden, dass die meisten Haiarten, einschließlich meines Gegenübers, für Menschen normalerweise nicht gefährlich sind. Das hilft einem in diesem Moment aber auch nicht weiter - mein Fischbestimmungsbuch hatte ich beim Schnorcheln nämlich leider gerade nicht zur Hand.

**Die scheinbar dunklen Stellen auf dem Satellitenbild sind übrigens Korallenriffe - das gilt ebenso für die Satellitenbilder der anderen Resorts.

Sonntag, 13. Dezember 2009

Benzin im Blut...


...oder zumindest im Tank haben wir an diesem Wochenende. Ein Wochenende gefüllt mit dem Gequitsche von Bremsen, dem Geruch von Benzin und verbranntem Gummi, dem Röhren von Motoren, dem Surren von Turboladern und dem Schweiß der Fahrer und Boxencrew unter der flirrenden Hitze Australiens.

Noch vor vier Wochen deutete alles darauf hin, dass die Australischen Formula SAE Meisterschaften ohne uns stattfinden würden. Vom Wagen war außer ein paar Einzelteilen noch nichts zu sehen und im Versuch den Motor auf Ethanol zu trimmen verabschiedete sich dieser mit einer Rauchwolke ins Nirvana.
Dennoch wird der Rennwagen am Freitag aus dem Transporter in die Boxengasse geschoben; dank unzähligen Tag- und Nachtschichten des Rennteams irgendwie doch noch fertig gestellt. Die Athmosphäre ist dennoch alles andere als entspannt, das Auto ist so gut wie ungetestet, ungetuned und die Fahrer haben gerade mal zehn Minuten Erfahrung mit dem Auto sammeln können. Aus dieser denkbar ungünstigen Konstellation heraus erwartet uns nun ein Wochenende mit verschiedenen Rennen und einem weiten Feld an Wettbewerbern; aus ganz Australien, aber auch Japan und Thailand kamen über zwanzig Teams angereist, um ihre selbstentworfenen Rennautos aneinander zu messen.

Die Inspektion - ein stundenlanges Prozedere mit verschiedensten Prüfungen zur Feststellung der Sicherheit und Regelkonformität - verläuft zunächst unglaublich gut. Während sich die Schlange vor uns nach und nach lichtet und die Teams zum Nachbessern in die Box geschickt werden, läuft es bei uns einwandfrei. Zu einwandfrei, ein ungutes Gefühl der Vorahnung schwebt wie eine düstere Wolke am blauen Himmel über uns.

Und tatsächlich - beim Bremstest reißt das nicht ordentlich fixierte Kupplungskabel und die Kupplung raucht ab. Ein Desaster, eine Ersatzkupplung und die passenden Kabel sind weit und breit nicht in Sicht. Eine abenteuerlichen provisorischen Konstruktion aus einem verbogenen Bremspedal wird kurzerhand als Kupplungsersatz verwendet und der erste Gang mit Gewalt reingehauen. Auf Kosten eines zerstörten Differentials schaffen wir damit aber immerhin, den Bremstest zu absolvieren. Allerdings sind zu diesem Zeitpunkt das Beschleunigungsrennen (ähnlich der berühmten Quartermile wie in Fast & Furious) und Skidpad (Parcour in Form einer 8 zum Testen der maximalen G-Kräfte) schon vorbei und damit auch unsere ohnehin schon geringen Hoffnungen auf das Siegertreppchen. Tiefpunkt erreicht.

Über Nacht lässt sich dann doch noch eine neue Kupplung auftreiben und der letzte große Tag steht an: Das Endurance Rennen. Dieses Rennen ist die Härteprüfung für die Rennwagen, in 32 Runden mit Fahrerwechsel wird der Rennwagen auf Herz und Nieren getestet. Unsere Zuversicht ist nunmehr reduziert auf "hopes and dreams", die Ziellinie gerade im härtesten aller Events zu überqueren scheint fernab jeder Realität.

Und doch - der Rennwagen läuft und läuft und läuft...



...lässt sich auch von Hindernissen nicht aufhalten...



...vorbei am Autofriedhof aus bereits ausgefallenen Autos...



 ...auf den fünften Platz! So richtig ist keinem klar, wie wir das geschafft haben - aber trotz fehlenden Feintunings und unvorbereiteten Fahrern ist der Wagen eigentlich recht schnell. Obendrein ist unser Rennwagen dabei auch noch der sparsamste, sodass wir mit der Trophäe für Benzinökonomie zur Afterparty fahren.
Zugegebenermaßen kein überragendes Ergebnis - aber angesichts der prekären Ausgangslage sind alle  begeistert. Nächstes Jahr, mit gewissen aerodynamischen Optimierungen eines gewissen deutschen Studenten wird es bestimmt der erste Platz... :)

Zuletzt noch ein kleines Video - allerdings kommen darauf weder Athmosphäre, noch Geschwindigkeit adäquat rüber. Ein Indikator, wie schnell und hart das Rennen ist, sind eher unsere Fahrer: Sogar unser zweiter Fahrer, immerhin australischer Go Kart Meister, ist nach seinen 16 Runden fix und alle...