Sonntag, 31. Januar 2010

Surftrip nach Wilsons Prom

Unser Surftrip nach Wilsons Prom - heute im Liveticker!
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Donnerstag, 24. Dezember 2009

20:21 - Beim Geschenkeauspacken kommt endlich das Geschenk ihres Bruders an die Reihe. Surfen!!?! Judith wirkt erschrocken. Was zum Teufel soll ich denn beim Surfen?


Freitag, 29. Januar 2010

17:08 - Judith und ich laufen gerade mit meinem Surfboard, zwei Schlafsäcken, einem Zelt und zwei Reisetaschen zur Bushaltestelle, als unser Bus an uns vorbei fährt. Mit vier Minuten Verfrühung.
Gepäck geschultert und losmarschiert, um den Zug doch noch irgendwie zu bekommen.

18:30 - Einen öffentlichen Nahverkehrsalptraum später kommen wir in Carlton an, wo wir auf die anderen Studenten treffen: Zum Surf Trip des RMIT Outdoor Clubs!

20:18 - Auf dem dreistündigen Roadtrip zu Wilsons Prom machen wir Halt in einem kleinen Örtchen im Nirgendwo, wo wir unser Abendessen in Form von Fish and Chips einnehmen. Der Fisch - übrigens Flake, was nichts anderes als Hai ist - schmeckt in jeder Hinsicht englisch.

23:18 - Wir kommen in Wilsons Prom an - dem südlichsten Ende Australiens! Gut, Tasmanien liegt noch südlicher, aber irgendwie scheint kein Australier die Insel wirklich zu Australien zu zählen. Zur Begrüßung werden wir erstmal gewarnt: Lasst keine Lebensmittel in den Zelten! Das riechen die Wombats sofort und fressen Löcher in die Zelte, um an Futter zu kommen... Wombats? Hier gibt es Wombats!!?!

23:34 - Erste Wombats durchstöbern unseren Lagerplatz. Als erstes entdecke ich einen dicken, fetten Wombatarsch unterm Auto.


Judith und ich veranstalten eine Wombatjagd - wer schafft es, ein Wombat zu streicheln?


Der Aufwand lohnt sich nicht - die Viecher sind ganz schön borstig.


23:58 - Ein kleiner, nächtlicher Trip zum Strand offenbart eine schöne Bucht, einen funkelnden Sternenhimmel und unglaublich feinen Sand. Traumhaft!


Samstag, 30. Januar 2010

9:14 - Traumhaft? Unser Urteil wir schnell revidiert als der aufkommende Wind dem feinen Sand am nächsten Morgen Leben einhaucht. Feinste Sandkörner überall. Mein Apfel knirscht beim Essen.


9:21 - In den Neopren gequetscht, Sonnenmilch drauf und ab ins Meer. Die Wellen entsprechen nicht annähernd den vorhergesagten epischen sechs Fuß. Vorhergesagt? Jawohl, in Australien gibt es neben der Wetter- auch eine Surfvorhersage...
Als Anfänger kommen uns die sauberen mittleren Wellen aber sowieso entgegen. Okay, ich bin ehrlich - ich habe mich schon auf zwei Meter hohe Brecher gefreut, auch wenn diese mich vermutlich zerschmettert hätten.

10:15 - Der Wind verwandelt die Surfbretter in umherwirbelnde Geschosse, wenn man nicht ständig aufpasst. Judith ist alles andere als begeistert, als sie von ihrem Board eine Kopfnuss verpasst bekommt.
Auf einen Tipp eines asiatischen Mitsurfers hin klappt es bei Judith dann aber überraschend gut. Sie bekommt viele Wellen und surft wenig später auf den Knien Richtung Strand. Ich dagegen kämpfe mit meinem Shortboard - das Teil ist zwar ein gutes Surfbrett, aber für Anfänger wie mich einfach zu  kurz, zu dünn, zu schmal.

12:32 - Die anderen gehen zum Mittagessen zurück ans Zelt, ich und Judith surfen weiter. Judith bekommt ihre zweite Kopfnuss. Ich tausche mein Brett gegen eines der Unieigenen Mini Mals - ein etwas längeres und daher leichter zu fahrendes Surfboard. Nach einem Morgen voll ergebnislosen Paddelns kann ich endlich richtig surfen.


14:16 - Judith steht das erste Mal auf dem Brett! Respekt. Hier gerade beim Hochdrücken...


17:03 - Völlig ausgepowered und trotz massivsten Einsatzes von Sonnencreme verbrannt kommen Judith und ich wieder am Zeltplatz an, nur um festzustellen, dass der Wind unser Zelt zerstört hat. Eine Zeltstange hat im Kampf gegen den Wind hilflos kapituliert.


Eine Prothese aus Holz, Kabelbindern und Klebeband wirkt aber angesichts des nach wie vor starken Windes ebenso wenig vertrauenserweckend wie ein Seil, mit dessen Hilfe man das Zelt von einem Baum hochspannen kann. Wir ziehen in das RMIT Ersatz-Wanderzelt um.

20:13 - BBQen. Während Möwen und Rosellas um uns herumflattern brutzeln Kühe und Schweine auf dem Grill.


Sonntag, 31. Januar 2010

2:47 - Die Nacht wird extrem ungemütlich. Wir liegen nicht nur direkt auf dem harten Boden, auch zerrt der Wind derart heftig am Zelt, dass an Schlaf nicht zu denken ist. Wir warten nur darauf, dass das Zelt aus der Verankerung gerissen wird und der Wind uns samt und sonders davonbläst.

8:32 - Für mich beginnt der Tag mit einer morgendlichen Surfsession. Judith, gerädert von der Nacht und vom Tag zu vor, bleibt mit einer entsprechenden Laune und einem Buch im Camp.

11:14 - Auch wenn die Wellen sehr angenehm reinkommen und das Surfen richtig Spaß macht, streiche ich gegen Mittag die Segel. Einfach keine Kraft mehr in den Armen. Da ich aber nicht bereit bin, einfach so nach Hause zu gehen, beschließe ich zum Squeeky Beach zu wandern. Die anderen - inklusive Judith - sind zu faul um mich auf die zweistündige Wanderung zu begleiten. Also geht es alleine los.

12:08 - Auf dem Weg spalte ich mit meinen unglaublichen Kräften einen riesigen, runden Felsbrocken. Schwieriger gestaltet es sich aber, alleine ein Foto davon zu machen. Die maximalen zehn Sekunden Selbstauslöser meiner Kamera resultieren in einigen Speedclimbingversuchen.
Kamera in Position bringen - abdrücken - lossprinten - ersten Fels hochklettern - auf zweiten Felsen springen - per Klimmzug auf Plateau hochhangeln - lächeln und hoffen, dass die zehn Sekunden nicht schon vorbei sind. Nach mehreren Versuchen unter der sengenden Sonne bin ich völlig erschöpft, aber ein akzeptables Bild ist im Kasten.


12:13 - Warum eigentlich Squeeky Beach - quietschender Strand? Das wird deutlich, sobald man seine Flipflops auszieht und barfuß über den Strand läuft. Irritierend unerklärlich, das Geräusch...


12:47 - Ein Abstecher zum Tidal Point, dem südlichsten Zipfel der Bucht, beschert mir auf dem Rückweg eine großartige Aussicht.



14:03 - Auf der Heimfahrt. Erstaunlich strapziös, so ein Surftrip. Judith wirkt fast etwas froh, wieder nach Hause zu können - auch wenn ihr das Surfen, so glaube ich zumindest, doch Spaß gemacht hat. Aber einfach vieeeeeeeeeeeeeeel zu anstrengend...


Montag, 25. Januar 2010

Grampians

Man stelle sich vor, es ist australischer Herbst im Jahre 20.000 vor Christus. Der Wind pfeift einem um die Ohren, der Regen prasselt gegen die Felsen und von der atemberaubenden Aussicht bleibt nichts außer einer Wand aus grauen, nassen Bindfäden, die auf dem Weg vom Himmel zur Erde die Landschaft verschluckten und jegliche Konturen verwischen.

Auch der spärliche Lendenschurz spendet nicht gerade Wärme, aber wenigstens bewahrt die mächtige Felswand des Ngamadjidj Unterschlupfs einen vor dem gröbsten Übel.

Nach stundenlangem Ausharren macht sich der Hunger mehr und mehr bemerkbar und die Kälte kriecht langsam in die Knochen.

Da beginnt der greise Aborigine mit leiser Stimme, eine Geschichte aus der Traumzeit zu erzählen. Während er in einem eigentümlichen Singsang von mythischen Sagengestalten und Ahnengeistern berichtet, kratzt er etwas Ocker vom Boden und mischt ihn mit ein paar Tropfen Regenwasser, das sich in einer kleinen Mulde gesammelt hat. Er verreibt die rötliche Paste zwischen seinen Fingerspitzen und fährt dann wieder und wieder über den rauen Fels, bis sich Strich um Strich Figuren und Bilder von der nackten, kalten Felswand hervorheben.

Andächtig lauschen die Anwesenden, vergessen sind Hunger und Kälte.


So oder so ähnlich kamen wohl die Felszeichnungen zustande, die an abgelegenen Stellen überall in den Grampians zu finden sind. Vielleicht waren es aber auch nur rebellische, urzeitliche Graffitysprayer, die wegen Beschädigung öffentlichen Eigentums zu Sozialstunden im Stammesaltenheim verdonnert wurden – aber erstere Geschichte gefällt mir persönlich besser.
Während die Grampians früher von Aborigines besiedelt waren, werden sie heute hauptsächlich von Wanderern und Touristen bevölkert. Kein Wunder, bietet der Nationalpark doch laut Prospekt "eine mannigfaltige Auswahl an einheimischen Wildtieren, malerischen Wanderpfaden und atemberaubenden Szenerien."

Da Linda und Judith - beide gerade auf Besuch in Australien - bisher nur die australischen Metropolen Melbourne und Sydney kennengelernt haben, fahren wir zu viert in die Grampians, um etwas australische Natur zu entdecken. Mal sehen, ob der Nationalpark hält, was der Prospekt verspricht... 


„Wildtiere“

Davon gibt es jedenfalls jede Menge. Neben vielen Eidechsen…


…und einigen Bartagamen...


…entdecken wir auch eine bronzefarbene Schlange. Statt uns zu beweisen, wie giftig ihr Biss ist, schlängelt sie sich gemütlich davon.


Etwas weniger wild ist die fellige Verwandtschaft. Kängurus lassen sich bereitwillig füttern, auch wenn sie gerade selbst am füttern sind...


...und ein vorwitziges Possum tut sich sichtlich schwer, zwischen Futter und Fütterndem zu unterscheiden.


Linda springt mir kampfbereit zur Seite und hält das Possum mit Hilfe ihrer Kameralinse auf Distanz.



„Malerische Wanderpfade“

1,25 km sind normalerweise eine kurze Strecke. Mit dem Flugzeug fünf Sekunden, mit dem Auto eine knappe Minute und als normaler Fußgänger etwa zehn Minuten.
In den Grampians hingegen bedeuten 1,25 km Wanderpfad schweißtreibende anderthalb Stunden. Schon bald entpuppt der Schwierigkeitsgrad „medium“ seine australische Bedeutung in vollem Umfang.

Dem Pfeil nach bitte dem gemütlichen medium Wanderweg folgen…


…am gähnenden medium Abgrund entlang hangeln…


…zwischen medium Felswänden nach unten klettern…


…und unter Zuhilfenahme von Händen und Füßen medium Felsblöcke und Baumstämme erklimmen.


Selbstverständlich gibt es auch an den schroffsten Felsabbrüchen keinerlei Sicherungen. Daher muss man gewisse personelle Kollateralschäden schon mal in Kauf nehmen, sodass wir am Ende nur zu dritt die gigantische Aussicht von Hollow Mountain genießen können.


A pro pos Aussicht, damit wären wir bei der dritten Versprechung unserer Grampiansbroschüre: 


„Atemberaubende Szenerien“

Baumwipfel wie grüne Watteknäuel so weit das Auge reicht an Reeds Lookout.

 

The Balconies – leider können wir unsere Liegestühle mangels Kletterausrüstung nicht auf den Balkonen aufstellen...


...aber ausruhen kann man sich auch auf seltsamen Steinpilzen.


Die beeindruckenden MacKenzie Wasserfälle…


…vor allem in Relation zu dem winzigen grünen Männchen rechts unten.

 

Wirklich imposante Szenerien - für manche blutsverwandten Mitreisenden aber „auch nur wieder Felsen und Bäume“. Daher machen wir am letzten Tag noch einen kurzen Abstecher zum Strand nach Torquay, hier Linda beim Initiierungsritual, welches zumindest Judith und mir Spaß macht.


Wenn alle gerade ihre gute Laune ausgepackt haben, ist es sowieso immer sehr lustig - hier das grausame Limettenmonster...


...oder Judith als Sankt Georg, der Drachentöter.


Die Grampiansbroschüre hat jedenfalls alles gehalten, was sie versprochen hat - wenn der Teufel aber auch hier im Detail steckt. Allen nachfolgenden Reisenden können wir die Grampians auf jeden Fall weiterempfehlen - insofern man gegen Campen und Wandern nichts einzuwenden hat und gewisse Abstriche in Sachen Komfort in Kauf nimmt.

Gespannt bin ich auf jeden Fall auf diejenigen, die sich eine Wandertour des Schwierigkeitsgrades "hard" zutrauen - was ist das dann, eine Besteigung des Mount Everest?

Freitag, 1. Januar 2010

Happy New Year aus Sydney!

Nach dem Schreiborgasmus in Fiji halte ich meine Feder dieses Mal im Interesse aller etwas besser im Zaum. Eine kleine Tour von Sydney und ein paar Bilder von unserem Silvester dort sollen dennoch gestattet sein...

"Willkommen in Sydney. Auf ihrer linken Seite können Sie einen Blick auf das weltberühmte Opernhaus und die Harborbridge werfen. Die Temperaturen sind wie immer zu hoch und die Luftfeuchtigkeit beträgt erdrückende 99%. Was wahrscheinlich positiv zu sehen ist; wären wir gerade in Deutschland, könnte ich mir die Landeerlaubnis im Schneechaos wahrscheinlich an den Hut... äh, die Pilotenmütze stecken. Geschätze Ankunftszeit..."



Was Sydney wirklich besonders macht? Die ganzen Häfen, die die Stadt wie ein Adernetz durchziehen, hier Darling Harbor...



...oder der ebenfalls an den Hafen angrenzende CBD...



...und natürlich das Opernhaus, das den ganzen Hafen dominiert - hier durch das Gitter an der Harborbridge fotografiert. Kunst? Oder "Blödsinn" (Sina)?



A pro pos Kunst - wenn das mal kein surreales Bild des Opernhauses ist...

 

Besonders auch der Taronga Zoo - wer hat schon mal Steinböcke vor dem Opernhaus gesehen?



 Wilde Kakadus balzen mich an...



...schöne Frauen gähnen mich an...



...und crazy Kängurus boxen sich meinetwegen...



Wer wäre da nicht hin und weg? Voller Begeisterung beschließe ich, in Sydney Silvester zu feiern. Blöd nur, dass anderthalb Millionen Menschen diesselbe Idee hatten...



...weshalb wir schon morgens um elf unseren Picknickplatz aufschlagen. Am einzigen Ort in ganz Sydney, von wo aus man Opernhaus und Harborbridge sieht und trotzdem eigenen Havana mitbringen darf (den wir extra aus Fiji importiert hatten). Der Abend naht...



...der Spaß beginnt (offensichtlich)...



HAPPY NEW YEAR aus Sydney!!!