Prolog
Vier Jahre später kommt gerade mal die Hälfte davon - zumindest physisch - gesund zurück. Um die frisch gebackenen Arbeitslosen beschäftigen zu können, wird die beliebteste aller Arbeits-beschaffungsmaßnahmen heranbemüht - der Straßenbau.
Die daraus entstandene Great Ocean Road wird im Reiseführer allerdings wesentlich heroischer als "von Kriegsveteranen errichtetes Denkmal für die Gefallenen des ersten Weltkriegs" angepriesen.
Vom Schweiß der Soldaten ist knapp ein Jahrhundert später nicht mehr viel zu spüren. Bewaffnet mit unseren Kameras machten wir uns auf den Weg, die malerische Straße entlang des Ozeans zu entdecken. Zu Sina und mir gesellten sich noch unsere verbündeten Sightseeingkämpfer Katha (ganz links), Lisa (zweite von rechts) und Robert (rechts).
Unsere viertägige Expedition begann dort, wo die Reise letzte Woche aufgehört hat - im Surferstädchen Torquay.
Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass unser Sightseeingtrip mit etwas beginnt, was mit Sightseeing nicht das Geringste zu tun hat - mit Shoppen. Mit drei Mädels im Gepäck wird man wie magisch von Einkaufsmöglichkeiten angezogen, weshalb unser erster Stop den Surferoutlets in Torquay galt. Im Kampf gegen die Kleiderberge errangen dann zumindest Katha, Lisa, Sina und Robert beachtenswerte Erfolge in Form von Tops, T-Shirts, Hüten, Geldbeuteln und Flipflops - nur ich schaffte es nicht, meine schwäbischen Wurzeln zu verleugnen und kam daher mit leeren Händen nach Hause.
Getrübt wurde der strahlende Sonnenschein nur von denen von uns, die einfach nicht stillsitzen konnten und uuuuunbedingt gegen den Widerstand ihrer Freundinnen rumturnen mussten... ;)
Die Great Ocean Road schlängelte sich von da an direkt am Meer entlang weiter und so konnten wir der Versuchung nicht wiederstehen und an einigen weiteren Stränden halt machen. Beeindruckend war dabei vor allem die Weitläufigkeit und Verlassenheit der Strände - meist waren wir ganz alleine und nur ab und zu trafen wir auf vereinzelte Surfer.
Im kleinen Fischerstädchen Lorne schlugen wir dann unsere Zelte auf und beschlossen mit einem tradititonellen BBQ den Abend. BBQen (von barbecue, zu dt. Grillen) ist die bevorzugte Freizeitbeschäftigung aller Australier. Überall gibt es öffentliche Grills, die man kostenlos benutzten kann, wenn man sie hernach wieder geputzt verlässt. Im Gegensatz zum rustikalen deutschen Grillen über Holzkohle wird hierzulande allerdings eher gebraten, da ein BBQ meist nur aus einer beheizten Metallplatte besteht. Das BBQen hier in Ehren, aber ich freue mich schon wieder auf mein erstes Steak mit Holzkohlegeschmack in Deutschland!
Unser Frühstück - auf dem BBQ gegrillte Spiegeleier mit Brötchen - mussten wir uns (zugegebenermaßen freiwillig) mit einigen Kakadus teilen. Immer wieder erstaunlich an diesen Vögeln ist der Anschein von Intelligenz. Wenn ein Kakadu einbeinig auf dem Tisch steht und sich selbst mit der anderen Kralle füttert, wirkt das geradezu beängstigend menschlich.
Auch ein Kookaburra, bei uns auch als lachender Hans bekannt, fand sich am Campingplatz ein. Außer Robert hat aber niemand sein namensgebendes Lachen gehört.
Überhaupt sahen wir in den nächsten Tagen unglaublich viele Tiere. In Lorne machten wir die Bekanntschaft mit einem netten kleinen Hai...
...am Strand in Apollo Bay mit ein paar Rosellas...
...mit einem zwei Meter langen Stachelrochen am Pier...
...mit faulen Koalas...
...mit einem Koalababy, das uns sogar zuwinkte...
...aber vor allem mit abertausenden von Fliegen. Die kleinen Biester können ganz schön nerven, wenn sie ständig um einen herumschwirren.
Auch ein Echidna und ein Wallaby liefen uns über den Weg, ohne sich allerdings die Zeit zu nehmen, sich von uns fotografieren zu lassen. Erstaunlich an den australischen Tieren ist deren ungewöhnliche Zutraulichkeit. Die Koalas etwa sitzen völlig unbeeindruckt direkt vor einem in den Eukalyptusbäumen und dösen vor sich hin, ohne sich von den gaffenden Leuten im mindesten stören zu lassen; von den Kakadus, welche sich neben einen auf die Parkbank setzen und um Brot anschnorren, ganz zu schweigen.
Der Höhepunkte der Great Ocean Road (ein multipler Höhepunkt, wenn man so will) sind jedoch nicht die Tiere, sondern die atemberaubenden Felsformationen. Bei weitem am berühmstesten sind wohl die zwölf Apostel, sechzig Meter hohe, durch Erosion freigestellte Kalksteinfelsen - nach dem Uluru die meistfotografierten Objekte Australiens.
Man könnte annehmen, dass ihnen aufgrund des Namens eine religiöse Bedeutung zukommt - aber ganz im Gegenteil: Ursprünglich hießen die Felskolosse Sow and Piglets, zu deutsch Sau und Ferkel. Die Umbenennung erfolgte im Rahmen einer Marketingkampagne in den 50ern, um mehr Touristen anzulocken. Im Übrigen sind es nicht einmal zwölf, sondern nur sieben Apostel - aber wer stört sich schon an solchen Details?
Neben den Aposteln gibt es aber noch etliche weitere beeindruckende Felsformationen, etwa den Razorback-Felsen...
...The Arch...
...die Bay of Boats...
...das Blowhole...
...Loch Ard Gorge, benannt nach dem dort zerschellten Schiff...
Am beeindruckendsten waren für uns allerdings die Gibson Steps, in Fels gehauene Stufen, die direkt an der Felswand entlang nach unten zum Strand führen. Wenn man abseits der Touristenscharen am Fuße der riesigen Felswände entlangschlendert, ständig auf der Hut, nicht von den auslaufenden Wellen erwischt zu werden, wirken die Felsen wesentlich eindrucksvoller als von oben.
Zwergen-Katha vor Riesen-Felswand.
Während die Entdeckung von Tieren stets zu neuen Begeisterungsausbrüchen führte, hatten die Felsen jedoch einen gewissen Gewöhnungseffekt. Bestimmt werden auch einige von euch einfach über die Bilder heruntergescrollt haben und nach der zehnten Felsformation wie Sina "Oooooooooohhh... Nicht schon wieder Steine!" gedacht haben ;)
Außer Steinen bietet die Great Ocean Road aber noch wesentlich mehr. Begibt man sich ein paar Kilometer landeinwärts, trifft man auf eine fast tropische Vegetation. Beim Besuch der Erskine Falls fühlt man sich urplötzlich in den Dschungel versetzt. Der idyllische Bachlauf ludt geradezu ein, von Stein zu Stein entlangzulaufen und den Wasserfall aus der Nähe zu betrachten.
Erstaunlich war auch das Landschaftsbild beim Blick ins Landesinnere. Sanft geschwungene Hügelketten, Wiesen, grasende Schafe und Kühe, kleine Seen - teilweise hatte man eher den Eindruck, sich irgendwo in Irland oder Schottland zu befinden denn in Australien.
Auch die Küste bestand längst nicht immer aus Kalksteinformationen oder Strand, teilweise bot sich ein wesentlich rauheres Bild.
Nicht nur die Landschaft, auch die Bewohner waren interessant. Ein Fischer in Apollo Bay erklärte uns stolz, wie sie am Vortag einen Makohai gefangen hätten und nahm sich viel Zeit, uns die ganze Geschichte zu erzählen. Er erklärte uns, dass der Mako einer der gefährlichsten Haie sei; zeigte uns die Kette und den Haken, mit dem der Hai gefangen worden ist und erklärte uns, wie er das Gebiss des Hais gesäubert hat. Anscheinend schneidet man einfach den Kopf des Hais ab und wirft ihn in eines der Hummernetze. Diese fressen dann das ganze Fleisch und am nächsten Morgen kann man das saubergenagte Gebiss einsammeln.Anscheinend bevorzugen die Europäer beispielsweise Erdbeeren mit einem erhöhten Säuregehalt während die Australier süße Sorten ohne Säure vorziehen. Erstaunlicherweise schmeckte man die Unterschiede deutlich heraus - für unsere europäischen Gaumen schmeckte die australische Sorte eigentlich nach nichts, während die europäische sehr viel schmackhafter war. Am aromatischsten war allerdings eine Sorte namens Albion, die allerdings laut unserem Erdbeersommelier noch etwas Probleme mit Sonnenbrand hat...
Am Sonntagabend beschlossen wir unsere Expedition mit einem Ausflug in den Melbourner Vorort St Kilda. Nachdem wir an der Great Ocean Road jeden einzelnen Sonnenaufgang verschlafen und den Sonnenuntergängen aus unerklärlichen Gründen ebenfalls kaum Beachtung geschenkt hatten, wollten wir hier den Sonnenuntergang überm Meer anschauen und Pinguine beobachten.
Pinguine? Ja, tatsächlich Pinguine. Zwischen den großen Steinen am Pier bietet sich ihnen ein geschützer Platz zum Nisten und so kann man jeden Abend in der Dämmerung beobachten, wie die Pinguine vom offenen Meer zurückkehren und die Felsen hoch kraxeln. Was die Pinguine im doch recht warmen Melbourne überhaupt verloren haben, wussten wir allerdings auch nicht...
Ein schöne Ausklang zu einem tollen Trip - dem selbst das teils regnerische Wetter nichts anhaben konnte.




















