Dienstag, 16. März 2010

Roadtrip Tag 4: Woolgoolga - Byron Bay (215 km)

Auf der Fahrt von Woolgoolga Richtung Byron Bay im Norden von New South Wales verändert sich plötzlich die Landschaft. Wo vorher unendlich wirkende Eukalyptuswälder das Landschaftsbild beherrschten, tauchen innerhalb weniger Kilometer riesige Zuckerrohrfelder auf. Zuckerrohr? Das zunehmend wärmere Klima bringt nicht nur Zuckerrohr zum Wachsen sondern auch uns langsam ins Schwitzen…


Byron Bay ist nicht nur DIE Surfmetropole von New South Wales, sondern beherbergt mit Cape Byron auch den östlichsten Punkt des australischen Festlandes.


Die berauschende Aussicht müssen wir uns allerdings im Schweiße unseres Angesichts erwandern…


Im Mekka aller Surfer scheint die Uhr langsamer zu ticken. Die Atmosphäre ist unglaublich entspannt, jeder scheint nur nach Byron gekommen zu sein um das Leben in vollen Zügen zu genießen. Surfshorts und Bikinis dominieren die Straßen, Rastalocken und zerstrubbelte Surferhaarschöpfe an jeder Ecke. Der Sand scheint hier weicher, die Sonne sanfter und die Wogen des Ozeans blauer als anderswo zu sein.


In der lauen Abendsonne gibt es auch für Jona noch eine gechillte Surfsession mit den anderen Surfern, die um das in der Bucht liegende Wrack herum die Wellen entlangsurfen.


Eigentlich hätte unser Tag hier noch nicht enden sollen – wir können uns von der zauberhaften Aura Byrons aber nicht losreißen und lassen den Tag leise unter dem klaren Sternenhimmel von Byron Bay ausklingen.

WER HAT DIE GRÖßTE GARNELE DER WELT?
Ballina. Im integrierten Fischrestaurant im Bauch der Garnele kann man übrigens kleine Garnelen verspeisen...


Montag, 15. März 2010

Roadtrip Tag 3: Crowdy Head - Port Macquarie - Coffs Harbour (250 km)


Eine zweite Übernachtung am Strand eignet sich bestens für eine frühmorgendliche Surfsession. Kleine, aber saubere Wellen sorgen bei Jonathan für einen endorphinreichen Start in den Tag.


Für die Hafenstadt Port Macquarie war eigentlich nur ein kurzer Zwischenstopp bei einem Koalakrankenhaus geplant. Ein kurzer Spaziergang entlang der Uferpromenade versetzt unserem Zeitplan dann allerdings den Todesstoß...

Um die tristen, großen Steine der Uferbefestigung (Breakwall) etwas ansprechender zu gestalten, werden diese seit Jahren von Besuchern bemalt. Heute findet man dort nun ein kunterbuntes Sammelsurium von allen möglichen und unmöglichen Motiven, Sprüchen und Signaturen.


Wir beschließen, auch uns in dieser „Galerie des Volkes“ zu verewigen. Farbe gekauft, Stein ausgewählt und losgepinselt...

Kaum hat man einen Pinsel in der Hand, rückt man urplötzlich in den Mittelpunkt. Alle möglichen Leute halten an, um die "Künstler bei der Arbeit" zu bestaunen und Fotos vom entstehenden Meisterstück und seinen Urhebern zu machen. Fast etwas unangenehm, zumal die Malerei mit 2$-Farben auf dem unregelmäßigen Stein nicht gerade filigrane Formen und Schattierungen erlaubt. Nach und nach verbinden sich jedoch die blauen und pinken Linien und unser Road-Trip-Bully erwacht zum Leben.



Kaum ist unser Road-Trip-Bully vollendet, schwingen wir uns in unseren Road-Trip-Hippie-Camper und machen, dass wir weiterkommen - nach Frederickton zu Fredo Pies, wo es (angeblich) die besten Pies der Welt gibt.

Zum Schlafen wählen wir einen kleinen Rastplatz am Fuße eines Sikh-Tempels in der Stadt mit dem unaussprechlichen Namen Woolgoolga.

WER HAT DIE GRÖßTE BANANE DER WELT?

Coffs Harbour. Die Big Banana ist laut Reiseführer auch das erste "große Ding" Australiens, mit dem der Wahn nach großen Dingen erst begonnen hat...



Sonntag, 14. März 2010

Roadtrip Tag 2: Newcastle - Hunter Valley - Crowdy Head (300 km)


Das Hunter Valley steht entgegen seinem Namen nicht für Fuchsjagden und Bärenhatz, sondern für allerlei Gaumenfreuden - namentlich Kellereien, Brauereien und Käsereien.

Allen dreien statten wir einen Besuch ab.

Meinungsaustausch bei der Weinprobe:
Sommelier – „Voller, trockener Rotwein mit fruchtiger Note nach Waldbeeren mit weichem Abgang.“
Sina – „Bäh!“
Jonathan – „Hm. Ganz lecker.“
Kein Kommentar.

Nächster Stop: BlueTongue-Brauerei, benannt nach dem Blauzungenskink, produziert Jonathans bescheidener Meinung nach eines der besten australischen Biere. Wie soll es anders sein, stammt doch die verwendete Hopfensorte aus Deutschland.

Wir beschließen unsere eigene kleine Gebräuprobe durchzuführen, verschieben diese jedoch zwecks Fahrtüchtigkeit auf den Abend.


Der letzte Abstecher gilt einer Käserei, die wir etwas skeptisch betreten. Die Käseauswahl im durchschnittlichen Supermarkt beschränkt sich auf die Sorten Tasty, Extra Tasty und Processed Cheese, werden aus irgendeinem Grund alle als Cheddar klassifiziert und schmecken mehr oder weniger nach gar nichts.

Die Vorbehalte zeigen sich jedoch als unbegründet, der angebotene Käse schmeckt hervorragend. Solange man nicht auf den Preis schaut, erhält man also auch in Australien vorzüglichen Käse.

Gegen Abend verschlägt es uns an einen winzigen, malerischen Ort namens Crowdy Head. Bilder sagen hier mehr als tausend Worte...


Samstag, 13. März 2010

Roadtrip Tag 1: Sydney - Newcastle (165 km)


An Tag 1 unserer Reise lotst uns der kleine Nils (unsere Navi-Stimme) heraus Sinas Heimatstadt Sydney gen Norden. Unser erster Stopp ist Newcastle, ein hübsches Städtchen am Eingang des Hunter Valleys. Irgendetwas scheint die Stadt kompensieren zu müssen, denn Besucher werden freudig von Newcastles berühmt berüchtigter Aussichtsplattform begrüßt - dem Giant Penis.


Wer Bill Brysons Down Under gelesen hat, wird bestimmt etwas ungläubig die Passagen über die Affinität der Australier zu großen Dingen geschmunzelt haben. Aber schon auf unserem Trip zu den Grampians begegnete uns der Giant Koala als erstes Exemplar dieser Spezies. Newcastles Giant Penis wird da bestimmt nicht der letzte Gigant unserer Reise gewesen sein.

Sparsam wie wir Schwaben nun einmal sind schlagen wir unser Nachtlager am Fuße eines Leuchtturms am schönen Strand von Nobbys Head auf - illegal, aber günstig.


Freitag, 12. März 2010

ROOOOOOOAAAAD TRIIIIIP!!!

Koffer? Check. Kameras, Laptops und Handys? Check. Sinas Süßigkeitenkiste? Check. Surfboard? Check.
Alles in den Hippie Camper reingestopft und tief durchgeatmet.


Vor uns liegen fünf Wochen, knapp 5000 km und ein ganzer Kontinent, den es zu entdecken gilt. Die ersten drei Wochen führen uns Richtung Norden an der Ostküste Australiens entlang bis zum Great Barrier Reef nach Cairns. Per Flugzeug jetten wir von dort in die tropische Krokodilmetropole Darwin um dann durch die endlosen Weiten des Outbacks zu Uluru, der Ikone Australiens zu fahren. Rooooooaaaaad Triiiip!


Da Internetzugriff, Laptopakku und generell die Zeit zum Bloggen auf unserer Reise ein rares Gut sein werden, beschließen Sina und ich unsere Ressourcen zu bündeln. Von nun an werden auf beiden Blogs also identische Berichte zu lesen sein. Enjoy!

Mittwoch, 10. März 2010

Arbeit vs. Vergnügen


Melbourne, Australien, morgens um halb vier. Ich sitze vor einem Teller Pasta auf dem Sofa. Schlafend.
Jäh schrecke ich auf. Begeistert: "Oh Pasta!!" Eine Gabel mit Spaghetti Carbonara wandert Richtung Mund, als mein Kopf schon wieder zur Seite sinkt und meine Augen zufallen.
Kurz darauf erwache ich wiederum. Mit leuchtenden Augen: "Oh, Pasta!!" Zwei Gabeln Nudeln versuchen verzweifelt, den knurrenden Magen zu beruhigen, doch schon sinkt die Hand wieder langsam herunter, statt die Nudeln am Bestimmungsort abzuliefern. Der Kopf fällt zur Seite.
Wenig später: "Oh, Pasta!!" ...und von vorne...

***

Das Unheil beginnt im Oktober letztens Jahres mit dem klassischen Kampf Arbeit vs. Vergnügen. Während Arbeit schon von Anfang an Präsenz zeigt, hat Vergnügen doch einige starke Momente und kann - wie im Blog nachzulesen - speziell an den Wochenenden regelmäßig punkten.
Um Weihnachten herum gewinnt Vergnügen in Fiji dann eindeutig die Oberhand, verschläft jedoch den Beginn des neuen Jahres und verliert nun gegenüber Arbeit zunehmend an Terrain. Arbeit wildert mehr und mehr im wohlverdienten Feierabend während Vergnügen unbeholfen versucht, die Angriffe abzuwehren.
In einem letzten, verzweifelten Aufbäumen kann Vergnügen durch die Schützenhilfe in Form des Besuches von Judith und Linda dann doch noch einzelne Tage und Wochenenden an sich reißen - Mitte Februar kapituliert Vergnügen dann aber, von ein paar letzten Zuckungen abgesehen, vollends.
Arbeit verschlingt Wochenenden, Abende und Nächte und nagt alles bis zum absoluten Existenzminimum herunter ab. Traurige Überreste des Massakers sind, wenn überhaupt, drei bis vier Stunden Schlaf sowie eine Eine-Mahlzeit-pro-Tag-Diät, die vom Pizzaservice angeboten wird. Rest in Peace, Vergnügen!

Wie immer ist die Schuld beim Autor zu suchen.
Mein ursprüngliches Projekt besteht eigentlich nur darin, den Sidepod des aktuellen Rennwagens in CFD zu optimieren. Sidepod? CFD?
Ich sehe schon die ersten Leser abschalten – wovon zum Teufel labert er den nun schon wieder? Um die Verwirrung in Grenzen zu halten, werde ich meine Arbeit möglichst nicht-technisch erklären – anhand des Kuchenbackens.

Denkt euch, ein Sidepod ist ein Kuchen. Meine Aufgabe besteht also darin, diesen Kuchen virtuell (= am Computer) zu optimieren. „Optimieren“ heißt in diesem Falle – Wie schmeckt es, wenn ich dem Teig 5g mehr Mehl zufüge? Wie, wenn ich 2g Zucker weglasse?
(Optimierung hinsichtlich cW und cA, minimale Änderungen der Ein- und Auslassposition sowie der jeweiligen Querschnittsgrößen.)


Da das diesjährige RMIT Rennteam aber vor Innovationsfreude nur so sprüht und sich bewusst vom konservativen Ansatz der letzten Jahre abheben will, passe auch ich mein Projekt gerne dementsprechend an. An dieser Stelle pocht es gegen meine Schädeldecke: „Tu es niiiiicht! Spare dir die Arbeit!!!!“.

Die neuen Leitfragen sind viel offener gestaltet – was passiert, wenn ich Marzipan in den Teig mische? Würden Korinthen den Geschmack verfeinern? Muss es überhaupt ein Marmorkuchen sein oder könnte ich auch eine Schwarzwälderkirschtorte backen?
(Ausnutzung des Venturieffekts durch Flügelform/Diffusor, Reduzierung der turbulenten Ablösungen der Radaufhängung durch Umleitung des Luftstroms nach oben/unten/seitlich/diagonal, Reduzierung des Hinterradluftwiderstandes durch partielle Abschirmung, Erhöhung des Abtriebs durch Impulsänderung des Luftstroms nach oben, Minimierung des Vena Contracta Effekts durch inneren Führungskanal etc.)

Jeder Entwurf durchläuft einen festen Beurteilungsprozess:
1.    Alle virtuellen Zutaten zu einem virtuellen Teig mischen 
(CAD, Meshing, CFD Pre Processing)
2.    Virtuellen Kuchen für zwei Tage in den virtuellen Ofen schieben 
(CFD Solving)
3.    Probieren - Schmeckt der virtuelle Kuchen? 
(CFD Post Processing)

In meinem Fall fällt das Probieren sehr farbenfroh aus...

Am längsten dauert es, das Grundrezept für den Teig richtig hinzubekommen. Sobald dies gelungen ist, kann es losgehen – knapp fünfzig verschiedene Kuchen werden gebacken. Manche schmecken besser, manche schlechter, aber am Ende steht ein Sieger fest.



An diesem Punkt rümpft die Wissenschaft dann regelmäßig die Nase und meint: „Moment, Moment! Dass dein virtueller Kuchen schmeckt heißt noch lange nicht, dass das Rezept auch in der Realität funktioniert!“

Was also bleibt anderes übrig, als einen realen Kuchen aus realen Zutaten (Prototyp) in einem realen Ofen (Windkanal) zu backen. Leichter gesagt als getan – die Zutaten sind teuer, den Teig zu kneten ist ein immenser Aufwand und der reale Backofen kostet - zumindest in Stuttgart - mehrere tausend Euro pro Stunde.

Mein Professor ist längst zufrieden und somit wäre meine Arbeit eigentlich beendet. Aber – in Deutschland hätte ich nie im Leben die Chance, einen Backofen zu benutzen. Deshalb nörgle ich so lange herum, bis ich den Backofen für eine Woche zur Verfügung gestellt bekomme, obwohl ich extra deshalb meinen Flug verschieben muss. An dieser Stelle pocht ein kleiner Vorschlaghammer gegen meine Schädeldecke: „Tu es niiiiiiiiiiiiicht! Bist du des Wahnsinns?!?!!“.

Und die Arbeit beginnt… Es dauert anderthalb Wochen, bis ich die Zutaten für den Teig zusammengekauft habe. Auch das Kneten des Teiges dauert wesentlich länger als erwartet und ist von diversen Rückschlägen gekennzeichnet.

Aber dann naht die letzte Woche… Backofenzeit!


Vor allem hier wird dann zwar Schlaf extreme Mangelware (notfalls auch auf dem Windkanalboden), wird aber mit einem hohen Spaßfaktor belohnt. Im Backofen kann man nämlich mit Rauch zündeln…


…mit fluoreszierenden Wollfäden spielen…


…und schöne Muster zeichnen lassen…


…nur Fliegen ist schöner!


Man könnte also sagen – selbst schuld, wenn Arbeit am Ende obsiegt. Für die Woche im Windkanal hat sich der wochenlange Verzicht auf jegliches Vergnügen jedoch mehr als gelohnt - zumal Arbeit für die kommenden sechs Wochen auf unserer Australienreise komplett abgeschrieben und mit 100% purem Vergnügen ersetzt wird…

Samstag, 6. März 2010

Gestrandet...


Mitte Februar, auf dem Weg nach Sydney. Der Himmel öffnet sich und ergießt sich über Melbourne.
Durch den strömenden Regen sprinte ich zum Bus. Zwei Anschlussbusse später sitze ich tropfnass an einer Bushaltestelle im Nirgendwo, wartend auf den letzten – anscheinend verspäteten – Anschlussbus.

Eine viertel Stunde.
Eine halbe Stunde.
Eine dreiviertel Stunde.

Überflutete Straßen und aus den Schienen gesprungene Trams machen es immer wahrscheinlicher, dass der Busfahrer gemütlich daheim vor dem Fernseher sitzt und gar nicht daran denkt, sich diesem Regenchaos zu stellen.
Fünfzig Dollar überzeugen schließlich einen Taxifahrer bei null Sicht im Blindflug durch die Wasserwände Richtung Flughafen zu rauschen.
Schalter gerade noch erreicht; fünf Minuten vor Ende des Check-Ins.

Eingecheckt.
Sicherheitskontrolle passiert.
Flug verspätet.

Eine viertel Stunde.
Eine halbe Stunde.
Eine dreiviertel Stunde.

Flug gestrichen.

Eine Nacht am Flughafen. „Ungemütlich“ ist eine geradezu euphemistische Beschreibung der Schlafmöglichkeiten.


Mit schalem McDonald’s Kaffee im Magen geht es am nächsten Morgen um 4:50 Uhr endlich nach Sydney…

***

Anfang März, auf dem Weg nach Sydney. Der Himmel öffnet sich und ergießt sich über Melbourne.
Durch den strömenden Regen sprinte ich zum Bus. Der Anschlusszug fällt aus. Eine halbe Stunde später sitze ich dann aber doch in einem Zug Richtung City.
Langeweile weicht Verblüffung, als der Zug mich partout nicht an der Southern Cross Station aussteigen lassen will. Ein Blick aus dem Fenster offenbart die Ursache – das hübsche Bahnhofsdach ist klüger als die vom Himmel strömenden Wassermassen und gibt nach.


Mit all meinem Gepäck sprinte ich quer durch die Stadt, um den Bus zum Flughafen an der Southern Cross Station doch noch zu erreichen.
Autos stehen quer mitten auf der überschwemmten Straße, Trams stehen bis zu den Türen im Wasser, die höher gelegenen Straßen sind mit Schlamm und Blättern gepflastert. Das Heulen von Sirenen erfüllt die Straßen.


Alle Busse sind gestrichen – bis auf den Richtung Flughafen. Glück?
Schalter gerade noch erreicht; eine viertel Stunde vor Ende des Check-Ins.

Eingecheckt.
Sicherheitskontrolle passiert.
Flug verspätet.

Eine viertel Stunde.
Eine halbe Stunde.
Eine dreiviertel Stunde.

Flug gestrichen.

Eine weitere Nacht am Flughafen...


Mit schalem McDonald’s Kaffee im Magen geht es am nächsten Morgen um 4:50 Uhr endlich nach Sydney…

Die Moral von der Geschichte? Billiger fliegen heißt manchmal gar nicht fliegen...