Sonntag, 1. November 2009

Viechzeugs

Was wäre Australien ohne Kängurus und Koalas, ohne Emus und Echidnas oder ohne den tasmanischen Teufel?

Zunächst wandte ich mich mit Sina mit einem Besuch des Melbourne Aquariums den Meeresbewohnern Australiens zu. Highlight waren für mich vor allem die Tunnels im großen Ozean Becken, bei denen man die Haie und Rochen der australischen Südküste eindrucksvoll über sich hinweggleiten sehen konnte.



Unterhaltsam war auch die Fütterung derselben. Hier im (leider etwas unscharfen) Bild ein Taucher, der gerade aus unerfindlichen Gründen versucht, eine Meeresschildkröte umzudrehen und dabei von einem Rochen ummantelt wird.



Mit einem Trip zur Healesville Sanctuary konnten ich und Robert (für die, die ihn nicht kennen - ein Kommilitone von Sina) auch die australische Fauna über Wasser kennenlernen. Im weitläufigen Zoo war eigentlich alles, was in Australien Rang und Namen hat, versammelt. Ein kleiner Auszug: Hübsche Dingos…



…trollige Echidnas…



…faule Koalas…



…ständig pickende Emus…



…und natürlich Kängurus. Diese waren sehr unterhaltsam, da sie wie tot am Boden gammelten…



…die Zunge rausstreckten…



…sich unter den Axeln kratzen…



…Babys in der Gegend rumschleppten…



…und sich zuletzt sogar streicheln ließen (links Robert).



Auch wenn vor allem die Kängurus definitiv sehr lustig waren, erinnerte der Trip insgesamt dennoch sehr stark an einen Besuch im Zoo. Klar ist es schön, die ganzen Tiere zu sehen, aber es ist ungleich aufregender, den Tieren live und nicht hinter Gittern zu begegnen.
Einige dieser Wildbegegnungen ließen sich freundlicherweise auf virtuelles Zelluloid bannen. Umherstolzierende Ibise*…



…der winzige, aber sehr hübsche Pracht-Staffelschwanz…


…die allgegenwärtigen Flötenvögel…



...eindrucksvolle Kakadus beim faul im Gras rumsitzen...



...nochmal ein Kakadu beim Turnen...






...derselbe Kakadu beim davonfliegen...



…oder nächtliche Begegnungen an der Uni mit Kusus (den australischen Vettern der amerikanischen Opossums).



Anscheinend gibt es im Sommer an der Uni sogar ab und zu Kängurus. Mal sehen, ob ich Glück habe...
Oftmals ist es in der freien Wildbahn aber wesentlich schwerer, Fotos der Tiere zu bekommen – deshalb gibt es auch bislang keine Bilder von den vielen bunten australischen Papageien. Die sind immer längst über alle Berge, bis ich die Kamera aus der Tasche gekramt habe.

Einfacher ist es da schon, Bilder von den Damen des Hauses zu machen. Dior ist ein einziges Energiebündel und ständig nur am Rumrennen und Apportieren...





...Myha hingegen beschäftigt sich stundenlang knurrend mit Knochen, die größer sind, wie sie selbst.





Beide stehen aber vor allem auf jegliche Streicheleinheiten, hier Sina im Einsatz.







Das wars erstmal zu den tierischen Australiern... Ich hoffe, ich habe niemand mit all den Bildern erschlagen *g*.

*Kommentar Sina:
"Ein Ibis ist nicht erwähnenswert. Ibise sind nicht erwähnenswert und auch nicht schön und auch nicht selten. Die gibt's bei mir zu Tausenden, sie stinken, sie sind hässlich, sie fressen nur Müll und sie scheißen alles voll. Bäh. Schlimmer als Tauben daheim in Deutschland."

Sonntag, 25. Oktober 2009

Besuch aus Sydney - endlich Sightseeing!

Bei all der Arbeit und dem Trubel an der Uni bin ich schon fast drei Wochen in Melbourne gewesen, ohne auch nur eine einzige Sehenswürdigkeit besichtigt zu haben. Als Sina übers Wochenende aus Sydney rübergejettet kam, nahmen wir uns daher vor, in vier Tagen Melbourne abzugrasen.
Mit all den Gebäuden und Attraktionen will ich euch hier (größtenteils) verschonen, zumal damit sowieso nicht das Wichtigste rüberkommt – der Flair.

Während Melbourne eigentlich ein einziger großer Vorort ist – neben den Wolkenkratzern des Central Business Districts schließen beinahe sofort eingeschossige Wohnhäuser an – vermitteln aber gerade auch die Häuserschluchten des CBD mit all den vielen, winzigen Gassen einen ganz eigenen Charme.
Schlendert man einfach ziellos durch die City, entdeckt man überall gemütliche Cafés, kleine Shops, Märkte, viktorianische Einkaufspassagen und vor allem eines – kulinarische Spezialitäten aus aller Herren Länder.

Wäre ich mit reichen Eltern gesegnet (hähä), würde ich jeden Abend vom einem Viertel ins nächste ziehen und italienisch, vietnamesisch, afrikanisch, arabisch, türkisch, thailändisch, amerikanisch, chinesisch, spanisch, deutsch oder australisch  essen.

Melbourne erinnert in dieser Hinsicht entfernt an New York, da die meisten dieser Restaurants sich in bestimmten Vierteln ballen, auf dem Foto hier etwa Chinatown.

Sina und ich haben uns zunächst für die Italiener in der Lygon St. und am anderen Abend für die Acland St. in St Kilda entschieden, die für ihre kleinen Cafés und vor allem Konditoreien mit Kuchen und Torten in allen Variationen bekannt ist.


Oder, um es anders auszudrücken: Sinas Paradies. Ich musste sie dann auch mit aller Gewalt davon abhalten, die Konditoreien der Reihe nach leer zu futtern. Hier Sina vor einem Berg aus Kalorien und mit zwei (!) Gabeln. Ja Sina, gib zu, dass du ein altes Fressi bist!








St Kilda ist einer der hippen Vororte von Melbourne, welcher durch seine angenehme, fast mediterrane Athmosphäre besticht.




Direkt am überraschend schönen Strand gelegen ist St Kilda im Sommer ein beliebtes Viertel ob der vielfältigen Cafés, Restaurants und Bars sowie des Nachts aufgrund des puslierenden Nachtlebens.



Gerade was das Nachtleben anbelangt, ist Melbourne etwas eigen. Im Gegensatz zu vielen anderen Städten konzentriert sich die Bars und Clubs keinesweg im Stadtzentrum, sondern sind über einige Viertel verteilt. Ein typischer Abend involviert also mehrere Taxifahrten von einer Location zur nächsten. In Verbindung mit den horrenden Alkoholpreisen kann das Nachtleben sehr schnell sehr teuer werden – vor allem, wenn man mit Bella, Bobbie & Friends unterwegs ist.

Schön sind auch die vielen Parks von Melbourne, allen voran die Royal Botanic Gardens. Sehr natürlich angelegt ist der Park perfekt, um faul in der Sonne zu liegen oder herumzuschlendern.


Melbourne ist für seine lebendige Kunstszene bekannt, wovon ich allerdings bislang noch wenig zu Gesicht bekommen habe. Allgegenwärtig sind allerdings Graffitis, von denen unzählige Häuserwände und Gassen überzogen sind. Es gibt sogar mehrstündige Führungen, bei denen man Melbournes schönste Graffitis zu Gesicht bekommt.



Alles in allem macht die Stadt irgendwie einen anziehend lebendigen Eindruck. Etwas bereue ich es noch immer, dass ich nicht in der City wohnen kann…

Andererseits - wenn ich sehe, wie gemütlich es bei uns ist, bin ich doch froh, hier in North Watsonia zu sein:


Dienstag, 20. Oktober 2009

Wir sind ja nicht zum Vergnügen hier...

An der Uni arbeite ich mit dem RMIT Racing Team zusammen. Wie beim Rennteam der Uni Stuttgart wird hier von einer Gruppe Studenten ein Rennwagen im Computer konstruiert, in der Werkstatt gebaut und auf der Rennstrecke gefahren. Die aktuelle Saison steht kurz bevor, weshalb die Fertigung auf Hochtouren läuft, um den Rennwagen rechtzeitig zum Australischen Cup Anfang Dezember fertigzustellen. Im Bild oben ist der teilweise demontierte Vorgänger R08 zu sehen.

Die Passion des Teams steht im krassen Gegensatz zum Klischee des typischen Australiers, der das Leben genießt und seine Zeit nicht mit Arbeit verschwendet. Einige Studenten nächtigen fast täglich im Schlafsack an der Uni und arbeiten zwanzig Stunden am Tag daran, die Deadline zu erreichen.

Meine Arbeit an der Uni gliedert sich momentan in zwei Bereiche. Einerseits unterstütze ich das Team in der Fertigung, andererseits arbeite ich mich in mein eigenes Studienarbeitsthema ein.
Mit der Fertigung hat dieselbe nämlich zunächst wenig zu tun. Bei mir stehen vielmehr aerodynamische Optimierungen der Sidepods mittels CFD  und anschliessender Validierung im Windkanal auf dem Plan.
Etwas weniger technisch ausgedrückt besteht meine Aufgabe darin, das Auto schnittiger zu machen, sodass es beim Fahren nicht erst wie ein Lastwagen riesige Luftmassen bei Seite schieben muss. Dabei konzentriert sich meine Arbeit auf die sog. Sidepods, die Kästen an der Seite des Rennwagens (wo im obigen Bild die Nummer 23 aufgeklebt ist).
Das Ganze wird im Computer durchgeführt und führt zu vielen farbigen, hübschen Bildern – im Bild hier ein einfacher Klotz im Wind.

Was ich wirklich faszinierend finde, sind die absolut geilen Technologien, die überall zum Einsatz kommen: Karbonfaserhonigwabenmonocoque wie in der Formel 1, Einspritzdüsen von Lamborghini (als Tuningartikel für den Gallardo erhältlich), eine Benzinpumpe vom AMG Zwölfzylinder Motor, etc. Alle erdenklichen Teile werden aus Karbon hergestellt, um auch das letzte Gramm Gewicht zu sparen.

Sonntag, 18. Oktober 2009

Wohnst du noch oder lebst du schon??

Mein Kontinent (klick auf das Bild führt direkt zu google maps)...



Meine Stadt (Melbourne)...



Mein Viertel (North Watsonia)...



Mein Haus (74 Macorna)...



Mein Zimmer (vierte Tür links)...



Warum es mich letzten Endes in den Vorort Watsonia North verschlagen hat?
Nette australische Mitbewohnerinnen, zehn Fahrradminuten zur Uni und vor allem der Eindruck eines gemütlichen Heims.
Ob es eine gute Entscheidung oder Anfang vom Untergang war, mit vier Frauen einzuziehen, wird sich wohl noch zeigen müssen. Zwei der Mädels sind unglaublich verschmust, stehen darauf, einen ständig abzuschlecken und lassen keine Gelegenheit aus, einen als Matratze zu missbrauchen. Die Rede ist von Dior (links) und Myha (rechts, ausgesprochen "Maja"), den beiden heimlichen Hausherrinnen.

Die zwei dazugehörigen homo sapiens nennen sich Bobbie (rechts) und Bella (unten links) und sind maßgeblich schuld daran, wenn ich nach ein paar Monaten ein Fachmann in Fragen Nagellack, Kostümhüte und Intimwachsen bin. Vor allem wenn Sonntagabends Girl’s Night ist und sich zehn Mädels wie die Hennen auf der Stange auf der Couch zusammenpferchen, geht ein unglaubliches Geschnatter los. Ist das ein australisches Phänomen oder ist man das nur im maschinenbaugeprägten Stuttgart nicht gewohnt?

Mit Bella und Bobbie zusammenzuwohnen hat auch den angenehmen Nebeneffekt, dass ich mich kulinarisch endlich von der spärlichen Münchner Wohnheimsküche verabschieden kann.
Zum Einstand kreierte Bella gleich ein mehrgängiges australisches Menü mit Rosmarin-Lammbraten, gedünstetem Kürbis, Süßkartoffeln, Bohnen, Mais, Kartoffeln und einem Minze-Dessert. Lecker!

Zusammen mit Felicia, der Cousine vom fast-Freund von… egal, einer Bekannten aus Gerlingen jedenfalls, revanchierte ich mich mit einem typisch schwäbischen Gelage – Flädlessuppe, Spätzle mit Kalbsjägerschnitzel in Pilzrahmsauce, Käsespätzle, Kartoffelsalat, abgerundet von warmem gedecktem Apfelkuchen mit Vanilleeis.
In einer gut ausgestatteten Küche macht das Kochen wirklich wieder Spaß…




Sonntag, 11. Oktober 2009

Wohnungssuche

Aufwachen am Strand, sein Surfbrett schnappen, den ganzen Tag beim Surfen die erfrischende Gischt im Gesicht spüren, abends ein Känguru am Spieß grillen um danach unterm Sternenhimmel vom leisen Klang eines Digeridoos in den Schlaf gewiegt zu werden – das war mein erster Tag in Australien.
Zumindest im Traum, dann wurde ich leider unsanft von meinem Wecker aus dem Schlaf gerissen.

Der erste Tag bestand – wie der zweite und dritte auch – vielmehr aus aufwachen, seinen Laptop schnappen, Wifi-Spots suchen, Wohnungsanzeigen durchforsten, E-Mails schreiben oder anrufen, stundenlang von einer Wohnung zur nächsten hetzen, nur um abends hundemüde in die Koje im Backpacker Hostel zu fallen.

Besonders erfrischend war die Erkenntnis, dass das RMIT – meine Uni – zwar tausend Institute im Stadtzentrum besitzt, ausgerechnet mein Campus aber am Arsch der Welt liegt. Leider auch nicht am Strand-Arsch, sondern am so-weit-vom-Strand-weg-wie-möglich-Arsch. Die Tram entpuppte sich dabei ob ihrer unglaublichen Langsamkeit schnell als Hassobjekt Nr. 1 – bis in die Vororte braucht man dann schnell mal anderthalb Stunden. Und das, obwohl Melbourne anscheinend das weltgrößte Tramnetzwerk besitzt.



Will man in Melbourne eine schöne Wohnung finden, benötigt man vor allem eines: Glück.
Die Melbourner preisen ihre Wohnungen im Internet oft nur mit kurzen Dreizeilern ohne jegliche Infos oder Fotos an, sodass man sich kaum vorher ein Bild machen kann. Darüber hinaus sind die Wohnungspreise mit der Qualität der Wohnung kaum korreliert - die teuerste der knapp 15 Wohnungen, die ich angeschaut habe, war eine abgewrackte Hütte mit einem Wellblechverschlag als Terrasse, während die billigste ein nagelneues Haus war.
Der Schwabe tut sich auch mit den Preisen etwas schwer; Wohnungen in der City sind ab etwa 600-700€ monatlich zu haben, in der Vorstadt geht es ab etwa 400€ los. Das Pflaster in Stuttgart und München ist im Vergleich sehr günstig.

Donnerstag, 8. Oktober 2009

Goodbye Germany!

Kurze Kontrolle am Abflug: Bequeme Sitze – Check. Proviant in Form von Süßigkeiten – Check. Riesige Auswahl über hunderte von aktuellen Filmen via Touchscreen – Check. Krimi und Reiseführer zum Lesen dabei – Check. Laptop zum Studienarbeit schrieben dabei – Check. Abflugerlaubnis erteilt.

Die ersten 7 Stunden Flug sind spaßig. Abwechselnd Stig Larsson lesen (sehr dramatisch), aktuelle Kinofilme wie Pelham 123 (sehr spannend), Ice Age 3 (sehr lustig) oder Selbst ist die Braut (sehr amüsant) schauen und ständig mit heißen Tüchern, Soda und Snacks versorgt werden (sehr angenehm), was will man mehr. Eroberungslaune.

In den 7 Stunden von Dubai nach Singapur schwächt sich die Begeisterung zunehmend ab. Spätestens nach 500g Gummibärchen ist snackmäßig die Schallgrenze erreicht, nach zig Filmen hintereinander plätschern Bilder und Dialoge nur vorbei, ohne Spuren zu hinterlassen. Angesichts der exquisiten Flugzeugspeisen setzt sich die Erkenntnis durch, dass manche anerzogenen Verhaltensmuster („Aufessen!“) in 10 km Höhe nicht mehr gelten.
Notgedrungen besteht die weitere Abendunterhaltung aus der längst überfälligen Studienarbeit, die sich jederzeit über Aufmerksamkeit freut. Ernüchterung.

Die folgenden 7 Stunden Flug zeigten, warum Fensterplätze bevorzugt sind. Außer der Aussicht bietet ein Fensterplatz den entscheidenden Vorteil, dass man sich zum Schlafen anlehnen kann. Wenn rechts eine kleine Inderin und links der Gang ist, fällt dies beträchtlich schwerer.
Nachdem die blasenschwachen Passagiere meine Beine zum zehnten Mal als Stolperfalle missbraucht haben und der kleine Mann der kleinen Inderin Atemnotprobleme bekommen hat, werde ich zwangsversetzt. Nein, nicht in die erste Klasse; nein, nicht an einen Fensterplatz – wieder auf ein Platz am Gang. Nur noch müde.